Böse Erinnerungen

Text und Bilder von Thomas Güntert und Josef Eisenlohr


Das Gedenkkreuz:


Das Kreuz ist 3,50 Meter hoch, 1,80 Meter breit und 30 Zentimeter dick, mit der Tragplatte wiegt es mehr als eineinhalb Tonnen.


Das Granit-Kreuz wurde am 19. August 2020 im Lerchenbuck, auf das Dorf Lottstetten gerichtet, aufgestellt und feierlich mit 60

Teilnehmern eingeweiht.


Gedenkkreuz an die Evakuierung 1945



Als passenden Stein suchten die Initianten einen Vogesengranit aus. „Der französische Stein soll auch ein Zeichen der Versöhnung sein“, sagte Vetter. Er betonte jedoch, dass die mit dem Kreuz ausgedrückte Dankbarkeit insbesondere den Südschwarzwälder Bauernfamilien gilt, die die Vertriebenen aufgenommen und gut versorgt hatten.


Da wurden im Jestetter Zipfel wieder Erinnerungen an die Evakuierung im Mai 1945 wach. Als am Abend des 14. Mal 1945 der damalige Lottstetter Dorfpolizist Willi Straub mit der großen Glocke verkündete, dass die Gemeinden im Jestetter Zipfel auf Befehl der französischen Armee evakuiert werden.

Die verzweifelten Menschen bildeten mit ihren Fuhrwerken und Handkarren eine fast vier Kilometer lange Kolonne. Am dritten Tag der Odyssee wurde sogar ein Kind geboren. Der Konvoi zog über Grießen nach Lauchringen, wo sich die Wagenkolonnen in die Richtung Schlüchttal und Steinatal trennten. Am 19. Mai gelangten die Evakuierten an ihre Zielorte.



Der 89-jährige Kiesunternehmer Häring ist der Initiant des Gedenkkreuzes. Bereits im Jahr 2012, als der Lottstetter Kirchturm renoviert wurde, hatte er mit dem langjährigen Mesner Helmut Buchter ein Gedenkkreuz errichten wollen




2019 nahm Häring Kontakt mit dem Zeitzeugen Herbert Vetter auf und konnte ihn als Projektleiter für die Idee, eine Gedenkstätte zu errichten, begeistern.



Inschrift:

 Verfasser des Textes,  Herbert Vetter 

25.06.2020


Inschrift am Kreuz

300 x 650 mm


Die Finanzierung:


Die 11.000 Euro für das Kreuz haben 18 Zeitzeugen sowie Unternehmer und Privatleute finanziert. Zudem gab die Gemeinde Lottstetten einen finanziellen Zuschuss und stellte den Platz samt Fundament zur Verfügung.


Erich Häring, Herbert Vetter, Jürgen und Herbert Kübler

nicht im Bild,  Eugen Merkt



Gelöbnis:


Während der Evakuierung legten die verzweifelten Menschen das Gelöbnis ab, dass sie, falls sie wieder in ihre Heimatgemeinde zurückkehren würden, alljährlich nach der Ernte eine Wallfahrt nach Einsiedeln machen.


Zeitzeugen erinnern sich:


Die Zeitzeugen Erich Häring, Herbert Vetter und Eugen Merkt erinnerten sich an die Evakuierung, die sie vor 75 Jahren erlebten.


Erich Häring, damals 14 Jahre alt, Herbert Vetter als sechsjähriger und Erich Merkt, damals zweijährig aus Lottstetten zogen mit dem Evaluierungskonvoi ins Schlüchttal.


„In Bettmaringen habe ich das Laufen gelernt“, sagte Eugen Merkt, der damals als zweijähriger Knirps dabei war. „Wir mussten drei Monate auf dem Boden schlafen“, erinnerte sich Erich Häring. Der 89-jährige Kiesunternehmer ist der Initiant des Gedenkkreuzes.


Der Unternehmer Herbert Vetter erinnert sich noch genau an die Evakuierung im Mai 1945. Als Sechsjähriger  musste er zusammen mit seiner zweijährigen Schwester Heidi und der Mutter Lottstetten verlassen, während sich der Vater noch in Kriegsgefangenschaft befand. Die Zukunftsangst, die die Menschen damals hatten, ist heute kaum vorstellbar", betont Vetter. Alle Gedanken kreisten nur darum, was mit den Feldfrüchten geschehen soll, mit den Kirschen, mit dem Getreide, das ja schon gesät war und teilweise In der Blüte stand. Was würde mit den Häusern passieren, mit den Möbeln und dem daheim gelassenen Hausrat?

Niemand wusste eine Antwort auf diese Fragen. Mir wurde ein Rucksack verpasst, der fast größer und schwerer als ich selbst war, erinnert sich der Zeitzeuge. Die Familie Vetter,  kam letztendlich zur Bauersfamilie Karl Mutter nach Riedern am Wald.


Das Essen wurde in den ersten Tagen im Freien eingenommen, übernachtet wurde auf den Heuböden. Die Evakuierten waren bei den Bauern wertvolle Arbeitskräfte. Die Menschen aus dem ehemaligen Zollausschlussgebiet hatten jedoch große Sorge um das Geschehen in den Heimatorten, denn die daheim gebliebenen Personen reichten nicht aus, um das Vieh zu versorgen und die Ernte einzubringen. Es dauerte bis im Oktober 1945, bis sie wieder in die Heimat zurückkehren durften. Herbert Vetter weiß noch, wie seine Mutter weinte, als sie den Lottstetter Kirchturm wieder sah: Im Dezember 1945 kam dann auch Vater Franz aus der Gefangenschaft heim. 



Lageplan des Kreuzes im Lerchenbuck





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Letzte Änderung: 13. 09. 2020




 

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